Mit Yachten auf Renditekurs (Welt am Sonntag)
Ein Investment in „schwimmende Assets“ macht Spaß (...)
Von Michael Brückner
DIE WELLENSCHLÄGE der Konjunkturzyklen bringen längst nicht jede Branche gleichermaßen ins Schwanken. Während die internationale ‚Finanzwirtschaft in den vergangenen Monaten und Jahren mehr als einmal SOS-Signale funken musste und auf staatliche Rettungsboote angewiesen war, spürten andere Unternehmen vergleichsweise wenig vom schweren Seegang der Wirtschaftskrise.
So sah man denn auch vor einigen Wochen auf der Messe „Interboot“ in Friedrichshafen, der Fachmesse für Boote und Yachten, weitgehend zufriedene Gesichter. Der Ausblick könnte ebenfalls kaum besser sein: „Wir haben eine gute Zukunft vor uns“, freut sich Patric Polch, Vizepräsident des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW). Und Clemens Meichle, Vorsitzender des Verbands der Bodenseewerften, berichtet über ein gutes Neubootgeschäft seiner Mitgliedsfirmen. Die Bootsbranche rund um das „schwäbische Meer“ spürte ohnehin nicht viel von der Wirtschaftskrise.
Dieser Befund lässt interessante Rückschlüsse für Investoren zu: Für hochwertige Boote und Yachten gibt es eine zahlungskräftige Kundschaft, die sich von einer Wirtschaftskrise nicht den Spaß am maritimen Hobby vergällen lässt. Die Nachfrage nach diesen schwimmenden Luxusobjekten ist entsprechend groß und stabil, was wiederum auf Werthaltigkeit und steigende Preise hoffen lässt.
Eignen sich Boote und Yachten also tatsächlich als eine besonders lustbetonte Form der Kapitalanlage? Oder handelt es sich um einen Placebo-Effekt? Wenn der ansonsten rational handelende und spitz kalkulierende Manager sich eine Yacht zum Preis einer formidablen Eigentumswohnung gönnt, kann sich die Hoffnung auf eine Rendite durchaus als zweifelzerstreuendes Argument erweisen. Doch bringen Boote und Yachten unterm Strich wirklich mehr als Spaßgewinn und emotionale Renditen?
„Durchaus, wenn man weiß, was man will“, sagt Hans Mühlbauer. Der Gründer und Inhaber von DMC-Reisen hat sich als Fachautor unter anderem mit diesem Thema intensiv beschäftigt (E-Book „Yachten als Kapitalanlage“). Als geeignete Form der Geldanlage empfiehlt er Segel- und Motoryachten sowie Katamarane in einer Länge zwischen neun und 16 Metern. „Diese können nach dem Kauf an eine Charterfirma nach Wahl zur Vermarktung und zum Betrieb für 4 oder 5 Jahre übergeben werden“, rät Mühlbauer.
Ein Beispiel: Der Investor ersteht eine Segelyacht und bringt etwa 20 Prozent Eigenkapital ein. In den folgenden fünf Jahren steht das Objekt einer Charterfirma zur Verfügung. Pro Jahr sollte die Yacht dann mindestens 15 Wochen gebucht sein. Aus den Erträgen lässt sich das Darlehen finanzieren. Anschließend wird die Yacht wieder verkauft. „Der Restwert nach Abzug des Kapitaldienstes ist dann verdientes Geld“, weiß Mühlbauer. Das aktuell niedrige Zinsniveau begünstigt ein Investment in „schwimmende Assets“ zusätzlich. Ob die Rechnung freilich aufgeht, hängt unter anderem von dem beim Verkauf erzielten Preis ab. Ist eine Yacht älter als fünf Jahre, kommt sie als Charter-Objekt kaum noch infrage. Die anspruchsvolle Klientel wünscht sich moderne Yachten mit entsprechendem Komfort. Der Eigentümer kann das Objekt dann entweder selbst nutzen und sich an der emotionalen Rendite seines Hobbys erfreuen, oder er verkauft seine Segel- oder Motoryacht. Ob er dabei einen so guten Preis erzielt, dass es nach Abzug aller Kosten für eine interessante Rendite reicht, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen naturgemäß der Erhaltungszustand und die geleisteten Motorstunden. Wurde die Yacht nachweisbar regelmäßig von einem Fachmann gewartet, wirkt sich dies ebenfalls potenziell preissteigernd aus.
Darüber hinaus gilt auch für Boote und Yachten: Die Marke macht´s. Bekannte und weithin geschätzte Werften steigern die Werthaltigkeit ihrer Produkte. (...) Generell aber gilt: Nur Yachten in einem absoluten Top-Zustand erhalten einen hohen Marktwert und erscheinen somit unter Investment-Aspekten interessant. Doch selbst bei optimaler Pflege verliert eine Yacht immer an Wert – vor allem in den ersten drei Jahren.
Wer in „schwimmenden Luxus“ investieren möchte, muss nicht unbedingt mit hohen sechs- oder gar siebenstelligen Summen kalkulieren. Für immerhin schon knapp 100 000 Euro erhält man bereits eine Segelyacht von neun bis zehn Meter Länge. Allerdings sollten die laufenden Kosten nicht unterschätzt werden. „Sie machen pro Jahr in der Regel zwischen zehn und 15 Prozent der Anschaffungskosten aus“, sagt Hans Mühlbauer. „Große Mega- und Superyachten werden oftmals verchartert, um wenigstens diese laufenden Kosten zu refinanzieren.“
Nicht zuletzt entscheiden natürlich die Finanzierungskonditionen darüber, ob das Renditekalkül der Freunde des maritimen Vergnügens aufgeht. Bei einem Finanzierungsbedarf unter 50 000 Euro eignet sich oft noch der klassische Ratenkredit. Braucht der Yachten- oder Boots-Käufer ein höheres Darlehen, führt der Weg über spezialisierte Finanzdienstleister (...).
Die Sparkasse oder Genossenschaftsbank gleich um die Ecke dürfte als Finanzierungspartner ausscheiden, denn im Gegensatz zu einem Eigenheim weist aus der klassischen Sicht eines Bankers selbst die luxuriöseste Yacht einen entscheidenden Nachteil auf: Sie ist eben nicht immobil – und selbst die Eintragung ins Schiffsregister hat noch nicht denselben Stellenwert wie die erstrangige Absicherung eines Hauses im Grundbuch.
(Quelle: Welt am Sonntag 14. November 2010)
Anmerkungen:
aus diesen Gründen legen wir unseren Schwerpunkt auf werterhaltende Maßnahmen für das Anlagegut unserer Eigner, indem wir die Schiffe sehr gut pflegen und warten, sie nach jeder Reise selbst(!) reinigen und die Yachten nicht ohne Bettwäsche raus geben. Obwohl wir damit etwas über dem Angebot auf dem Markt liegen, nehmen die Kunden unser Qualitätsangebot gerne an und wir überschreiten im Schnitt die oben angestrebten 15 Wochen pro Jahr.
Anders als der Autor haben wir übrigens hervorragende Erfahrung mit der Sparkasse (Nord-Ostsee Sparkasse) gemacht!
